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Pressemeldung: Frauenhäuser im Corona-Jahr 2020 – bundesweite Statistik

Frauenhauskoordinierung e.V. veröffentlicht Frauenhausstatistik 2020

Titelseite Statistik "Frauenhäuser und ihre Bewohner_innen" 2020
Titelblatt Kurzfassung Statistik "Frauenhäuser und ihre Bewohner_innen" 2020

Berlin, 17. November 2021. Anlässlich des bevorstehenden Internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November gibt Frauenhauskoordinierung e.V. (FHK) mit der Statistik „Frauenhäuser und ihre Bewohner_innen“ Einblick in die Lage der deutschen Frauenhäuser im Pandemiejahr 2020. Diese hielten ihre Unterstützungsangebote 2020 auch über Lockdowns hinweg weitgehend aufrecht. So fanden in den 182 teilnehmenden Frauenhäusern 6614 Frauen sowie 7676 Kinder Schutz. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen leichten Rückgang um 431 Frauen.

„Das ist besorgniserregend, weil wir wissen, dass in den Lockdowns das Risiko häuslicher Gewalt er-
höht war, und gleichzeitig wichtige Außenkontakte und Frühwarnsysteme weggefallen sind“, erklärt FHK-Geschäftsführerin Heike Herold.

Neben dem erschwerten Zugang zu Unterstützung spielen für die Entwicklung u.a. auch Platzreduzierungen zur Einhaltung von Hygieneregeln sowie Aufnahmestopps bei Corona-Verdachtsfällen eine Rolle.

Die Frauenhaus-Statistik 2020 bestätigt außerdem das Fortbestehen vielzähliger Probleme im Gewaltschutz, die sich im Pandemiekontext z.T. weiter zuspitzten: So fanden erneut mehr Kinder (7676) als Frauen in den Einrichtungen Zuflucht, etwa 3000 davon im schulfähigen Alter mit Homeschooling-Bedarf. Auch jenseits von Corona sind jedoch viele Frauenhäuser nicht mit ausreichend Mitteln für Kinderbetreuung ausgestattet. Weiterhin setzt sich die seit Jahren zunehmende Verweildauer von Frauen u.a. aufgrund schwieriger Wohnungsmarktlagen fort. Und nach wie vor müssen 25% aller Bewohner_innen die Kosten für ihren Schutzplatz ganz oder teilweise selbst tragen.

„Das Hilfesystem für gewaltbetroffene Frauen ist seit Jahrzehnten auf Kante genäht. Entsprechend darf die öffentliche Aufmerksamkeit, die häusliche Gewalt seit Pandemiebeginn erfahren hat, nicht einfach wieder abebben“, so Herold. „Gewalt gegen Frauen ist nicht durch den Corona-Virus entstanden und wird nicht mit ihm verschwinden. Unsere Statistik belegt Jahr um Jahr: Das ist eine eigene, menschengemachte Pandemie, die bleibt, solange wir nicht konsequent dagegen vorgehen.“

Die Frauenhausstatistik von FHK erfasst als einzige Erhebung jährlich Daten zu Nutzung und Leistungen von Frauenhäusern bundesweit. An der Erhebung beteiligt sich derzeit etwa die Hälfte der Frauenhäuser in Deutschland.

Die aktuelle Frauenhaus-Statistik beinhaltet eine Sonderauswertung zu Frauen mit Beeinträchtigungen und steht in der Kurzversion sowie in der Langfassung kostenfrei auf dieser Seite zum Download bereit.


Medienkontakt:            

Elisabeth Oberthür, Referentin Öffentlichkeitsarbeit / Flucht und Gewaltschutz

Tel.: 030/338434250     

E-Mail: oberthuer(at)frauenhauskoordinierung.de