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FHK zieht Bilanz zum Abschluss des Projekts „Digitaler Gewalt im Frauenhaus handlungssicher begegnen“

Mit Fortbildungen, modellhafter IT-Beratung, neuen Materialien und bundesweiter Vernetzung hat FHK wichtige Impulse gesetzt, um Schutz und Unterstützung für Betroffene von Digitaler Gewalt nachhaltig zu verbessern.

Ende Mai 2026 endet das Projekt „Digitaler Gewalt im Frauenhaus handlungssicher begegnen“ von Frauenhauskoordinierung e.V. (FHK). In den vergangenen Jahren konnte FHK bundesweit wichtige Strukturen aufbauen, Fachkräfte stärken und neue Wege entwickeln, um Frauenhäuser und Fachberatungsstellen im Umgang mit digitaler Gewalt nachhaltig zu unterstützen. Ziel des Projekts war es, das im Vorprojekt entwickelte Schutzkonzept gegen digitale Gewalt in die Praxis zu überführen, Fachkräfte zu qualifizieren und Betroffene besser vor den digitalen Dimensionen von Gewalt zu schützen.

Denn längst gilt: Digitale Gewalt ist kein „Nebenschauplatz“ von Partnerschaftsgewalt, sondern fester Bestandteil vieler Gewaltkonstellationen. Analoge und digitale Gewalt greifen ineinander – und genau dort setzte das Projekt an. 

Täter nutzen Standortfreigaben, Tracker, soziale Medien, Cloud-Zugänge oder die Geräte der Kinder gezielt, um Macht, Kontrolle und Überwachung auch nach einer Trennung oder Flucht fortzuführen. Die Realität in Frauenhäusern zeigt deutlich: Digitale Gewalt endet nicht an der Frauenhaustür.

Dabei umfasst digitale Gewalt nicht ausschließlich den Missbrauch technischer Systeme. Sie zeigt sich ebenso in Formen des Ausschlusses von digitaler Teilhabe – etwa wenn Smartphones entzogen, Passwörter kontrolliert oder Kommunikationsmöglichkeiten eingeschränkt werden. Gerade in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft bedeutet das oft auch soziale Isolation und eingeschränkten Zugang zu Unterstützung, Informationen oder gesellschaftlicher Teilhabe. 

Vor diesem Hintergrund hat das FHK-Projekt das Recht von Frauen und Kindern auf sichere, selbstbestimmte und geschützte digitale Teilhabe konsequent in den Mittelpunkt gestellt.

Schnell wurde im Projekt außerdem deutlich: die intersektionale Perspektive spielt eine zentrale Rolle. Sprachbarrieren, Behinderungen, ein unsicherer Aufenthaltsstatus oder finanzielle Notlagen beeinflussen maßgeblich, welche Schutzmaßnahmen überhaupt realistisch umsetzbar sind. Wer sich kein neues Gerät leisten kann, auf technische Assistenzsysteme angewiesen ist oder von einem Täter abhängig gemacht wird, braucht andere Unterstützungsstrategien als standardisierte Sicherheitsempfehlungen. Diese unterschiedlichen Lebensrealitäten konsequent mitzudenken, war ein wesentlicher Bestandteil des Projekts.

Über 800 Teilnehmende in 53 Fortbildungen, 230 Personen beim Fachtag

Um Frauenhäuser und Fachberatungsstellen praxisnah zu unterstützen, wurden im Projektverlauf zahlreiche Maßnahmen umgesetzt. Ein Schwerpunkt lag auf der bundesweiten Fortbildungsreihe für Fachkräfte. Sie begann im Oktober 2023 und endete im Dezember 2026. Insgesamt fanden 53 Fortbildungen mit über 800 Teilnehmenden statt. 

Vermittelt wurden unter anderem Grundlagen technischer Sicherheit, psychosoziale und rechtliche Aspekte digitaler Gewalt sowie medienpädagogische Ansätze für die Arbeit mit Betroffenen. Besonders wichtig war dabei die starke Praxisorientierung: Viele der Fortbildungsleitenden brachten ihre Erfahrungen direkt aus Frauenhäusern, Beratungsstellen oder der IT-Sicherheitsarbeit ein. 

In 2025 gaben 72 Prozent der Teilnehmenden an, dass sie mit der besuchten Fortbildung sehr zufrieden waren. Die hohe Nachfrage nach den Angeboten sowie der ausgeprägte Wunsch nach weiterführendem fachlichem Austausch verdeutlichen zudem, dass das Thema digitale Gewalt in der Praxis stark an Bedeutung gewonnen hat.

Wie groß der fachliche und politische Handlungsbedarf inzwischen ist, zeigte auch der Fachtag „Handlungssicher gegen digitale Gewalt“, zu dem FHK am 25. September 2025 nach Berlin und online eingeladen hatte. Mehr als 230 Teilnehmende aus ganz Deutschland diskutierten dort über die zunehmende Digitalisierung von Gewalt und ihre Folgen für das Hilfesystem. 

Neben Einblicken in die Projektergebnisse standen Fachimpulse, Praxisbeispiele und politische Forderungen im Mittelpunkt. Deutlich wurde dabei vor allem eines: Frauenhäuser brauchen heute nicht mehr nur psychosoziale und juristische Kompetenzen, sondern zunehmend auch technisches und medienpädagogisches Fachwissen.

Modellprojekt zeigt Dringlichkeit des Strukturausbaus

Ein besonderer Meilenstein des Projekts war das Modellprojekt IT-Beratung. Über zwei Jahre hinweg unterstützten externe IT-Fachkräfte Frauenhäuser bei Verdachtsfällen von digitaler Ortung und Überwachung. Mehr als 60 Beratungsgespräche mit 22 beteiligten Frauenhäusern aus ganz Deutschland machten deutlich: Technische Unterstützung kann Betroffene wirksam schützen – allerdings nur dann, wenn sie mit psychosozialer Beratung zusammengedacht wird. Denn digitale Gewalt ist selten ein isoliertes Technikproblem, sondern Teil komplexer Gewalt- und Abhängigkeitsverhältnisse.

Gleichzeitig hat das Modellprojekt eine strukturelle Lücke im Hilfesystem sichtbar gemacht: Frauenhäuser leisten bereits jetzt enorme Arbeit im Umgang mit digitaler Gewalt – häufig jedoch ohne ausreichende Ressourcen, Zeit oder technische Expertise. Die Erfahrungen aus dem Projekt zeigen deshalb klar, dass Beratung zu digitaler Gewalt dauerhaft finanziert und strukturell verankert werden muss.

Diese Erkenntnisse flossen in den Abschlussbericht „Digitale (Ex-)Partnerschaftsgewalt: gefährliche Schutzlücken im Hilfesystem schließen“ ein. Darin fordert FHK einen umfassenden Ausbau der Unterstützungsstrukturen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene – etwa durch feste Stellenanteile für digitale Gewalt in Frauenhäusern, spezialisierte Fachberatungsstellen sowie verlässliche Kooperationen zwischen Frauenhäusern, IT-Fachkräften, Polizei und Justiz.

Neben Beratung und Qualifizierung spielte auch Prävention eine zentrale Rolle im Projekt. Deshalb wurden vielfältige medienpädagogische Materialien entwickelt, die Kinder, Jugendliche, erwachsene Bewohner*innen und Fachkräfte für digitale Gewalt sensibilisieren. 

Die Materialien sind mehrsprachig, niedrigschwellig und in unterschiedlichen Formaten verfügbar. Sie unterstützen dabei, Schutzwissen verständlich zu vermitteln und digitale Selbstbestimmung zu stärken.

FHK-Fachkräfteportal bündelt Wissen zu digitaler Gewalt im sozialen Nahraum

Damit dieses Wissen langfristig zugänglich bleibt und das im Vorprojekt entwickelte Schutzkonzept gegen digitale Gewalt niederschwelliger genutzt werden kann, entstand außerdem das Fachkräfteportal „Sicher gegen digitale Gewalt“. Unter www.sicher-gegen-digitale-gewalt.org bündelt FHK Informationen, Checklisten, Materialien und weiterführende Publikationen rund um digitale Gewalt im sozialen Nahraum. Neben einem öffentlichen Bereich gibt es dort auch zusätzliche Inhalte speziell für Frauenhäuser und Fachberatungsstellen.

Parallel dazu wurde die Öffentlichkeitsarbeit deutlich ausgebaut. Neue Social-Media-Kanäle, zielgruppenspezifische Newsletter, Kampagnen, Informationsmaterialien, Pressearbeit und fachpolitische Stellungnahmen haben dazu beigetragen, das Thema digitale Gewalt stärker in Fachöffentlichkeit, Politik und Gesellschaft zu verankern. Denn auch das hat das Projekt gezeigt: Digitale Gewalt braucht nicht nur technische Antworten, sondern vor allem politische Aufmerksamkeit und langfristige Verantwortung.

Trotz der erreichten Fortschritte bleibt der Handlungsbedarf groß. Technologische Entwicklungen verlaufen rasant und eröffnen kontinuierlich neue Möglichkeiten digitalisierter Gewalt. Schutzkonzepte, Fachwissen und Unterstützungsstrukturen müssen deshalb fortlaufend weiterentwickelt und dauerhaft finanziert werden.

Die Projektförderung durch das BMBFSFJ endet im Mai 2026. Dank Spendenmitteln wird FHK zentrale Angebote bis Ende des Jahres weiterführen – darunter Fortbildungen, neue Inhalte im Fachkräfteportal, Öffentlichkeitsarbeit sowie politische Arbeit für ein digitales Gewaltschutzgesetz. Wie die Finanzierung darüber hinaus gesichert werden kann, ist derzeit offen.

Wir danken allen Fachkräften, Kooperationspartner*innen, Referent*innen, Unterstützer*innen und Fördermittelgeber*innen, die dieses Projekt möglich gemacht und begleitet haben. Gemeinsam wurde ein entscheidender Beitrag geleistet, um Frauenhäuser digital sicherer zu machen, Fachkräfte zu stärken und Betroffene besser vor digitaler Gewalt zu schützen.


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