Familiengerichtliche Verfahren bedeuten für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder eine emotionale und oft existenzielle Belastung. Bis heute bleibt die strukturelle Trennung zwischen häuslicher Gewalt, Kinderschutz und familiengerichtlichen Verfahren bestehen. Diese drei Systeme – auch als „drei Planeten“ bezeichnet – folgen unterschiedlichen Logiken und Prioritäten. Das führt zu unkoordiniertem Handeln, Schutzlücken und neuen Gefährdungslagen für Betroffene.
Fachkräfte in Frauenhäusern, Fachberatungsstellen, Zufluchtwohnungen und Interventionsstellen stehen damit vor der Herausforderung, Schutz zu gewährleisten, ohne sich in widersprüchlichen Anforderungen verschiedener Systeme zu verlieren.
Haltung und Perspektive der Arbeitshilfe
Die neue Arbeitshilfe von Frauenhauskoordinierung e.V. „Begleiten. Bestärken. Beschützen. Gerichtliche Verfahren & Frauengewaltschutz – Was Fachkräfte zu Gewaltschutz, Familienrecht und Kinderschutz bei häuslicher Gewalt wissen sollten“ basiert auf einer klaren Betroffenenperspektive und geht davon aus, dass häusliche Gewalt und Partnerschaftsgewalt strukturelle Gewaltformen mit gesamtgesellschaftlichen Machtverhältnissen sind.
Der Schutz von Frauen und Kindern steht im Mittelpunkt – insbesondere dort, wo Familienbeziehungen zu neuen Eskalationen führen können. Zentrale Begriffe werden aus einer gewalt- und geschlechtsspezifischen Perspektive verwendet. Gewalt wird nicht als Einzelfall, sondern als systemisch relevantes Phänomen begriffen, das auch intersektionale Praktiken und Rechtserfahren betreffen kann.
Zielgruppe und Ziel
Die Arbeitshilfe richtet sich an Fachkräfte im Frauengewaltschutz – insbesondere Mitarbeiter*innen in Frauenhäusern, Fachberatungsstellen, Zufluchtwohnungen und Interventionsstellen. Sie ist getragen vom Grundsatz: Schutzorientierung, Parteilichkeit und Menschenrechtsbezug als Leitprinzipien professionell handeln.
Ziel ist es, rechtliche Rahmenbedingungen, Gesetzestexte und praxisrelevantes Grundlagenwissen zum Verfahrensrecht in Familie, Straf- und Zivilrecht verständlich aufzubereiten – insbesondere für Nicht-Jurist*innen. Trotz zahlreicher Publikationen zum Thema fehlte bisher eine kompakte, alltagsnahe Zusammenstellung, die auf die praktischen Informationsbedarfe in der Begleitungs- und Unterstützungsarbeit zugeschnitten ist. Diese Handreichung versteht sich daher als Werkzeug, um beim Informieren zu helfen, bedarfsgerecht weiterzuvermitteln und professionell zu begleiten.
Aufbau der Arbeitshilfe
Die Arbeitshilfe orientiert sich an zentralen Fragen und Herausforderungen, mit denen Fachkräfte konfrontiert sind, und setzt dabei die Schwerpunkte Gewaltschutz, Sorge- und Umgangsrecht sowie Kinderschutz. Ein einleitendes Kapitel vermittelt allgemeine Hinweise zu gerichtlichen Verfahren. Im Mittelpunkt steht Praxiswissen für Fachkräfte in Form von Erklärtexten, Übersichtstabellen, Beratungshinweisen, Anlagen mit Mustern und Beispielen sowie Arbeitsblättern zur Nutzung im Beratungsalltag.
Die Arbeitshilfe steht ab sofort zum Download bereit:





















