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Equal Pay Day: Kein Gewaltschutz ohne Gleichstellung

Die Trennung von einem gewalttätigen Partner darf kein Armutsrisiko sein. Gewaltschutz braucht deshalb wirksame Gleichstellungsmaßnahmen.

Am 27. Februar 2026 ist Equal Pay Day – der Tag markiert symbolisch die geschlechterspezifische Lohnlücke in Deutschland, die zuletzt bei 16 Prozent lag. Das heißt, dass Frauen rechnerisch bis Ende Februar umsonst arbeiten, während Männer seit Jahresbeginn für ihre Arbeit bezahlt werden. Der Gender Pay Gap hat direkte Auswirkungen auf die Sicherheit und Selbstbestimmung von Frauen, insbesondere in Gewaltsituationen.

Finanzielle Abhängigkeit als Risikofaktor für Gewalt

Frauen, die finanziell von ihrem Partner abhängig sind, haben es erheblich schwerer, eine Gewaltbeziehung zu verlassen. Die Frauenhaus-Statistik 2024 von Frauenhauskoordinierung e.V. (FHK) zeigt: Fast jede vierte Frau musste ihren Aufenthalt im Frauenhaus 2024 teilweise oder vollständig selbst bezahlen – bei Tagessätzen zwischen 10 und 100 Euro pro Person ist das für viele eine existenzielle Hürde. 14 von 100 Frauen kehren nach dem Frauenhausaufenthalt in die Gewaltsituation zurück – die Hälfte davon war nur wenige Tage im Frauenhaus.

Nach dem Frauenhausaufenthalt stehen zwei Drittel der Frauen im Sozialleistungsbezug – vor dem Aufenthalt waren es 39 Prozent. Der Anteil erwerbstätiger Frauen sinkt während des Aufenthalts von 23 Prozent auf 16 Prozent. Das zeigt: Der Weg aus der Gewaltbeziehung führt viele Frauen aktuell in die Armut. 

Gender Pay Gap und Gender Care Gap verstärken Abhängigkeiten

Frauen übernehmen den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit. Schätzungen zufolge leisten sie in Deutschland jedes Jahr rund 72 Milliarden Stunden an Sorge-, Betreuungs- und Haushaltsarbeit – überwiegend zusätzlich zur Erwerbsarbeit. Das führt zu Teilzeitarbeit, Minijobs, Erwerbsunterbrechungen und damit langfristig zu geringeren Einkommen, schlechterer sozialer Absicherung und erhöhter Altersarmut.

Diese strukturellen Benachteiligungen verstärken die Abhängigkeit vom Partner. Wenn Frauen kein eigenes existenzsicherndes Einkommen haben, keine verlässliche Kinderbetreuung finden und Angst vor sozialem Abstieg haben müssen, wird die Trennung von einem Gewalttäter zur existenziellen Bedrohung.

Gleichstellungspolitik wirkt präventiv

Eine wirksame Gleichstellungspolitik ist deshalb zentral für den Gewaltschutz. Höhere Einkommen, faire Arbeitsbedingungen, verlässliche Betreuungsstrukturen und eine gerechte Verteilung von Care-Arbeit reduzieren Abhängigkeiten – sie stärken Selbstbestimmung, Handlungsspielräume und damit die Sicherheit von Frauen und ihren Kindern. 

Das unterstreicht auch eine aktuelle Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ): „Wirtschaftliche Eigenständigkeit fördert Gleichstellung" zeigt, dass wirtschaftliche Unabhängigkeit eine Grundvoraussetzung für echte Gleichstellung – und damit für wirksamen Gewaltschutz – ist. Die Erkenntnisse liegen vor, die Empfehlungen sind formuliert. 

FHK fordert Bundesfamilienministerin Karin Prien auf, diese Empfehlungen aus der eigenen Studie ihres Ministeriums nun dem Bundeskabinett zur Umsetzung vorzulegen. Frauen müssen durch konsequente gleichstellungspolitische Maßnahmen – etwa mit Blick auf Gender Pay Gap, Gender Care Gap und existenzsichernde Einkommen – in der Lage sein, sich ohne Existenzangst von einem gewalttätigen Partner zu trennen. Gewaltschutz und Gleichstellungspolitik sind nur zusammen wirksam.


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