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Gleichstellung: Deutschland unter dem EU-Durchschnitt

Der Gender Equality Index 2019 belegt: Das Projekt Gleichstellung geht in Europa nur im Schneckentempo voran. Deutschland bleibt mit einem Wert von 66,9 Punkten sogar hinter dem EU-Durchschnitt zurück.

Quelle: https://eige.europa.eu/gender-equality-index/2019/DE

Gender Equality Index Deutschland 2019

Ob Lohnungleichheit, Aufteilung von Arbeitszeit oder Besetzung von Führungspositionen: Die Gleichstellung der Geschlechter in der EU bleibt eine Baustelle, an der es nur mühsam voran geht. Das belegt der aktuelle Gender Equality Index (Gleichstellungsindex) des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (EIGE).

Mit dem Gleichstellungsindex erfasst das EIGE seit dem Jahr 2005, wie sich die die Gleichstellung der Geschlechter in der EU und ihren Mitgliedstaaten entwickelt. Anhand der Bereiche Arbeit, Geld, Wissen, Zeit, Macht und Gesundheit werden Länder auf einer Skala von 1 bis 100 eingestuft, wobei 1 für völlige Ungleichheit, 100 für vollständige Gleichstellung steht. Der jüngst veröffentlichte Bericht belegt, dass die EU sich seit der letzten Erhebung vor zwei Jahren lediglich um einen Punkt auf den Wert 67,4 verbessert hat.

„Wir bewegen uns in die richtige Richtung, sind aber immer noch weit vom Ziel entfernt. Unser Index (...) zeigt, dass fast die Hälfte aller Mitgliedstaaten unter die 60-Punkte-Marke fällt“, erklärt Virginija Langbakk, Direktorin EIGE, in der Pressemitteilung des Instituts.

Gleichstellung in Deutschland unterdurchschnittlich

Hierzulande sollten diese Erkenntnisse nicht nur deshalb hellhörig machen, weil Deutschland 2020 die EU-Ratspräsidenschaft übernehmen wird und das Thema Gleichstellung in diesem Rahmen zu einem der Schwerpunktthemen erklärt hat.

Die Bundesrepublik hat obendrein selbst enormen Aufholbedarf in Sachen Gleichstellung: Zwar verzeichnet sie größere Fortschritte als die EU im Ganzen. Mit 66,9 Punkten liegt sie aber noch immer unter dem EU-Durchschnitt und damit hinter zahlreichen Staaten zurück, darunter Schweden (83,6), Irland (71,3), Spanien (70,1) oder Slowenien (68,3). Den größten Aufholbedarf attestiert der Index Griechenland (51,2) und Ungarn (51,9).

Gewalt gegen Frauen bleibt unberücksichtigt

Eine Sonderrolle bei der Berechnung der Gleichstellungswerte nimmt die Kategorie „Gewalt“ ein: Zwar werden Daten zu Gewalt gegen Frauen erfasst, jedoch nicht in die Berechnung der Punktwerte einbezogen. Denn die letzten Werte, die für den länderübergreifenden Vergleich geeignet sind, stammen aus dem Jahr 2014. Überdies wird unter dieser Kategorie nicht die unterschiedliche Betroffenheit von Männern und Frauen, sondern allein das Ausmaß der Gewalt gegen Frauen erfasst. 

In den Blick genommen, jedoch nicht einberechnet werden außerdem intersektionale, d.h. sich überschneidende Ungleichheiten oder Benachteiligungen. So befasst sich der Index 2019 beispielsweise erstmals auch mit der Situation von LGBTQI-Personen, Romafrauen und Muslim_innen in den Bereichen, in denen statistische Daten vorliegen.

Die Pressemitteilung zum aktuellen Gender Equality Index sowie eine Auswertung der Ergebnisse für Deutschland finden Sie unten stehend.

Ein graphischer Vergleich einzelner Staaten und Teilbereiche ist auf der Homepage des EIGE abrufbar.