Frauenhauskoordinierung e.V. - Fachinfo

FHK-Info-Service: PKS 2025, neuer Gesetzentwurf gegen digitale Gewalt, Update zum Gewalthilfegesetz

Liebe Mitglieder von Frauenhauskoordinierung e.V.,
liebe Kolleg*innen,

in dieser Ausgabe werfen wir einen Blick auf aktuelle Entwicklungen aus Politik, Gesetzgebung und Praxis im Gewaltschutz, die derzeit besonders in Bewegung sind.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 zeigt erneut einen Anstieg von Sexualdelikten und Vergewaltigungen. Dabei wird wieder deutlich: Gewalt gegen Frauen findet überwiegend im sozialen Nahraum statt und das tatsächliche Ausmaß geht weit über das polizeiliche Hellfeld hinaus. Gleichzeitig entwickeln sich auch die rechtlichen Rahmenbedingungen weiter – etwa mit dem neuen Gesetzentwurf gegen digitale Gewalt, zu dem aktuell die Verbände Stellung nehmen können.

Auch beim Gewalthilfegesetz gibt es Neues: Unsere FAQ auf der FHK-Übersichtsseite wurde erweitert und greift nun die unterschiedlichen Inkrafttretenszeitpunkte auf – mit wichtigen Folgen für Finanzierung, Rechtsansprüche und die praktische Umsetzung im Hilfesystem.

Wir wünschen eine gute Lektüre!
Leonie Kriegshammer

PS: Rund 645 Einrichtungen erhalten unseren Info-Service direkt am Erscheinungstag. Möchten Sie das auch? Dann können Sie sich ganz einfach hier anmelden.


Themen dieser Ausgabe:


1. Polizeiliche Kriminalstatistik 2025: Klare Maßnahmen statt Ratlosigkeit geboten


Das Bundeskriminalamt hat am 21. April 2026 die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2025 veröffentlicht. Demnach sind Sexualdelikte um 2,8 Prozent gestiegen, Vergewaltigungen um 9 Prozent (seit 2018 um 72 Prozent). 

Bei den Sexualdelikten sind die Tatverdächtigen überwiegend Freunde, Bekannte sowie (ehemalige) Partner – und zu 98,6 Prozent männlich. Gewalt gegen Frauen findet also zum allergrößten Teil dort statt, wo Frauen sich eigentlich sicher fühlen sollten: bei ihnen zu Hause. Dabei gilt: Die PKS bildet nur das polizeilich bekannte Hellfeld ab – und selbst das sind keine verurteilten Täter, sondern Tatverdächtige. Das tatsächliche Ausmaß der Gewalt liegt weit darüber. Das zeigt auch die im Februar veröffentlichte Dunkelfeldstudie „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag“, nach der nur bis zu 5 Prozent der (Ex-)Partnerschaftsgewalt überhaupt angezeigt wird.

 Zum Beitrag 


2. Gewalthilfegesetz: FHK-Übersichtsseite wird kontinuierlich erweitert

Unser FAQ (FAQ = Frequently Asked Questions, also eine Sammlung häufig gestellter Fragen mit Antworten) zum Gewalthilfegesetz wächst weiter!  

Wir haben eine neue Frage aufgenommen, die sich mit einem der komplexesten Aspekte des Gesetzes befasst: den unterschiedlichen Einsatzzeitpunkten und ihrer Bedeutung für Finanzierung, Rechtsansprüche und die Praxis des Hilfesystems.

Denn das Gewalthilfegesetz tritt nicht auf einen Schlag in Kraft – es sieht ein gestaffeltes Zeitmodell vor, das erhebliche Auswirkungen hat.  

 Zur vollständigen FAQ-Antwort 


3. Schutz vor digitaler Gewalt: Justizministerium veröffentlicht Gesetzentwurf

Die Bundesministerin für Justiz und Verbraucherschutz Stefanie Hubig hat am Freitag, 17. April 2026, den Entwurf eines Gesetzes gegen digitale Gewalt vorgestellt. Das Thema digitale Gewalt stand in den vergangenen Wochen stark im öffentlichen Fokus, unter anderem durch die Debatte um digitale Gewalt in (Ex-)Partnerschaften und ihre Folgen für Betroffene. 

Bis zum 22. Mai 2026 haben Verbände nun die Möglichkeit, dem Ministerium Stellungnahmen zu dem Gesetzentwurf zukommen zu lassen. Anschließend wird der Entwurf innerhalb der Bundesregierung abgestimmt und in das parlamentarische Verfahren eingebracht. 

Auch FHK wird eine eigene Stellungnahme zu dem Entwurf veröffentlichen. 

 Zum Gesetzentwurf 


4. Weitere Infos von FHK

  • Talk: Experience, resources and needs of children exposed to intimate partner violence
    Vortrag in englischer Sprache mir KI generierten deutschen Untertiteln!
    Mittwoch, 06. Mai 2026 | 13:00 – 14:00 Uhr | Online via Zoom
    Zur Anmeldung
     
  • Online-Workshop: Aus der Praxis in die Presse: Pressemitteilungen, die durchdringen
    Donnerstag, 07. Mai 2026 | 09:00 – 13:00 Uhr | Online via Zoom
    Zur Anmeldung

5. Politik und Gewaltschutz – Kurzüberblick

  • Deutschland: Petitionsausschuss prüft eigenen Straftatbestand für Femizide
    Der Petitionsausschuss des Bundestages unterstützt die Forderung, Femizide als eigenen Straftatbestand im Strafrecht zu verankern, und hat eine entsprechende Petition zur Prüfung weitergeleitet. Ziel ist es, geschlechtsspezifische Tötungen von Frauen rechtlich klarer zu erfassen und Prävention sowie Strafverfolgung zu verbessern. Parallel prüft auch die Bundesregierung Anpassungen im Mordparagrafen.
  • Deutschland: Prien verteidigt Umbau von „Demokratie leben!“ und kritisiert Identitätspolitik
    Familienministerin Karin Prien (CDU) verteidigt die Neuausrichtung des Programms „Demokratie leben!“ und kritisiert bisher geförderte Projekte teils als einseitig und „selbstreferenziell“. Künftig sollen breitere gesellschaftliche Gruppen wie Schulen oder Vereine stärker einbezogen werden, so die Zeit. Während Prien betont, nicht sparen, sondern neu ausrichten zu wollen, stößt der Umbau auf Kritik, auch aus der SPD.
  • Deutschland: Bundesländer bauen Hilfen gegen häusliche Gewalt deutlich aus
    Mehrere Bundesländer treiben den Ausbau von Schutz- und Beratungsangeboten für Opfer häuslicher Gewalt voran. Bayern stellt zusätzliche Mittel bereit, um den künftigen Rechtsanspruch auf Frauenhausplätze ab 2032 umzusetzen, sieht aber wachsenden Bedarf. Sachsen und Hamburg arbeiten an der Umsetzung des Gewalthilfegesetzes und bereiten den Ausbau der Hilfestrukturen bis 2027 vor.
  • Berlin: Polizei setzt häufiger Fußfesseln zum Schutz von Frauen ein
    In sechs Fällen wurden in Berlin elektronische Fußfesseln für Gefährder angeordnet, weitere werden geprüft. Die GPS-Überwachung informiert Polizei und Betroffene bei Annäherung trotz Verbots. Insgesamt ist die Zahl der Schutzverfahren bei häuslicher Gewalt gestiegen, ebenso wie Verstöße gegen Kontakt- und Näherungsverbote, schreibt der rbb.
  • Brandenburg: Ausbau von Netz von Kinderschutzambulanzen
    Brandenburg baut den medizinischen Kinderschutz weiter aus: Nach der ersten Einrichtung in Potsdam wurde nun auch in Eberswalde eine Kinderschutzambulanz eröffnet. Dort können Ärzt*innen in enger Zusammenarbeit mit Jugendämtern Verdachtsfälle von Misshandlung oder Missbrauch untersuchen und schnelle Hilfe einleiten. Insgesamt sind fünf Standorte geplant, um alle Regionen abzudecken, allerdings ist die langfristige Finanzierung der Ambulanzen noch nicht gesichert, meldet der Tagesspiegel.
  • Hamburg: Grüne beschließen umfassende Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen
    Die Grünen in Hamburg haben einstimmig eine weitreichende Agenda gegen Gewalt an Frauen verabschiedet, berichtet die Zeit. Gefordert werden unter anderem strengere Gesetze gegen digitale und sexualisierte Gewalt, die Einstufung von Femiziden als Mord sowie Reformen im Sexualstrafrecht nach dem Prinzip „Nur Ja heißt Ja“. Zudem soll der Opferschutz gestärkt werden. 
  • Schleswig-Holstein: Maßnahmenpaket gegen digitale sexualisierte Gewalt
    Die Landesregierung Schleswig-Holsteins hat ein umfassendes Maßnahmenpaket zum Schutz vor digitaler sexualisierter Gewalt beschlossen. Geplant sind der Ausbau von Beratungs- und Präventionsangeboten, bessere Ermittlungs- und Analysefähigkeiten bei der Polizei, stärkere Fortbildungen in der Justiz sowie mehr Aufklärung in Schulen und Jugendarbeit. Dafür stellt das Land rund 1,8 Millionen Euro bereit.
  • Thüringen: stärkere Hilfe gegen digitale Gewalt an Frauen geplant
    Thüringen will Betroffene sexualisierter Gewalt im Internet besser unterstützen und plant dafür eine neue Beratungsstelle sowie einen umfassenden Maßnahmenplan, so die WELT. Dieser umfasst unter anderem Leihgeräte für Betroffene, Schulungen für Polizei und Hilfseinrichtungen, Präventionsmaßnahmen und mehr IT-Forensik-Kompetenzen. Besonders betroffen sind junge Frauen, etwa durch Cyberstalking, Hass oder das Veröffentlichen intimer Inhalte. Ziel ist es, Schutz, Beratung und Strafverfolgung im digitalen Raum deutlich zu verbessern.
  • Europa: EU-Parlament fordert einheitliche Vergewaltigungsdefinition nach „Nur Ja heißt Ja“
    Das EU-Parlament setzt sich für eine europaweit einheitliche Definition von Vergewaltigung ein, die auf dem Prinzip „Nur Ja heißt Ja“ basiert, berichtet u.a. der Tagesspiegel. Sexuelle Handlungen ohne ausdrückliche Zustimmung sollen strafbar sein. Die nicht bindende Resolution fordert Mitgliedstaaten auf, ihre Gesetze an internationale Standards anzupassen und den Opferschutz zu verbessern. Eine EU-weite Regelung scheiterte bislang an Zuständigkeitsfragen, nun liegt der Ball bei der EU-Kommission.
  • Europa: EU wirft Meta mangelhaften Kinderschutz vor und droht mit Milliardenstrafe
    Laut der DW wirft die EU-Kommission Meta vor, Kinder unter 13 Jahren auf Facebook und Instagram nicht ausreichend zu schützen und damit gegen den Digital Services Act zu verstoßen. Alterskontrollen seien leicht zu umgehen, Meldesysteme ineffektiv und Risiken für Minderjährige unzureichend berücksichtigt. Meta drohen hohe Geldstrafen, während das Unternehmen die Vorwürfe zurückweist und weitere Maßnahmen ankündigt. Parallel arbeitet die EU an strengeren Alterskontrollen und möglichen neuen Regeln für soziale Netzwerke.
  • Global: Beschwerde gegen Türkei wegen Austritt aus Istanbul-Konvention vor EGMR
    Eine Istanbuler Frauenrechtsplattform hat beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Beschwerde gegen den Austritt der Türkei aus der Istanbul-Konvention eingereicht. Sie sieht grundlegende Rechte wie das Diskriminierungsverbot und das Recht auf ein faires Verfahren verletzt. Kritisiert wird insbesondere, dass der Austritt 2021 per Präsidialdekret und nicht durch das Parlament erfolgte. Nachdem das türkische Verfassungsgericht Klagen dagegen abgewiesen hatte, soll nun der EGMR über die Rechtmäßigkeit entscheiden, schreibt ANF.

6. Lesetipps & Praxisimpulse

  • Die Bundesregierung legt den ersten thematischen Evaluierungsbericht zur Umsetzung der Istanbul-Konvention in Deutschland vor, der sich mit „Vertrauen schaffen durch Unterstützung, Schutz und Gerechtigkeit“ befasst und nun auch auf Deutsch verfügbar ist.
  • Zum Muttertag möchte lilibell 1.000 Wickeltaschen an Frauen in Not spenden. Die Taschen bestehen aus weichem Teddyfleece und können sowohl am Kinderwagen befestigt als auch als Handtasche getragen werden. Einrichtungen oder Anlaufstellen, die Frauen in Not begleiten und Bedarf haben, können sich sehr gern direkt bei lilibell melden unter:
    kontakt@lilibell.de

Zu dem Thema Digitale Gewalt:

  • Die Organisation HateAid hat in Berlin eine von rund 55.000 Menschen unterzeichnete Petition übergeben, die fordert, sexualisierte digitale Gewalt wie KI-Deepfakes strafbar zu machen, nachdem Betroffene bislang unzureichenden rechtlichen Schutz beklagen.

Zu den Themen Kinder & Jugendliche:

  • Zum Tag der gewaltfreien Erziehung warnt der Kinderschutzbund in einer Stellungnahme, dass geplante Reformen der Kinder- und Jugendhilfe zu Einsparungen führen könnten, die Hilfsangebote schwächen und den Schutz von Kindern gefährden.
  • In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage betont die Bundesregierung Fortschritte beim Schutz von Kindern vor sexualisierter Gewalt durch neue Gesetze und Kampagnen, sieht weiteren Handlungsbedarf, lehnt jedoch eine Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz ab.
  • Unicef hat eine neue Übersichtsseite zu den Folgen und Auswirkungen von Gewalt in der Kindheit.
  • In einer Pressemitteilung des SkF Gesamtverein wird davor gewarnt, dass aktuell diskutierte Sparmaßnahmen im Sozialbereich Alleinerziehende und ihre Kinder besonders stark treffen, ihre Armutsrisiken erhöhen und ihre gesellschaftliche Teilhabe erheblich einschränken könnten.

Zu den Themen Inklusion & Intersektionalität:


7. FHK-Material: Kurzfassung vom Bericht „Digitale (Ex-)Partnerschaftsgewalt: gefährliche Schutzlücken im Hilfesystem schließen”

Unser neuer Bericht zeigt, warum technische Expertise in der Frauenhausarbeit immer wichtiger wird – und wie sie sinnvoll mit psychosozialer, rechtlicher und medienpädagogischer Beratung verbunden werden kann. Das FHK-Modellprojekt „IT-Beratung“ mache deutlich: Für eine wirksame Unterstützung braucht es multiprofessionelle Ansätze, qualifizierte Kooperationen und neue Unterstützungsstrukturen für Fachkräfte im Gewaltschutz.

Der Bericht ist jetzt als Kurzfassung (auch in Englisch) verfügbar!

Zum Bericht


8. Sie finden alle Veranstaltungen auf unsere Webseite:

 Zur Veranstaltungsübersicht 


Erhalten Sie den FHK Info-Service direkt am Erscheinungstag: 

Zur Anmeldung

 
[ nach oben ]

Für den Inhalt verantwortlich:
Frauenhauskoordinierung e.V.
Association of Women's Shelters
Tucholskystr. 11
D-10117 Berlin

Fon +49 30-3384342-0
Fax +49 30-3384342-19
info@frauenhauskoordinierung.de
www.frauenhauskoordinierung.de


Leonie Kriegshammer
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
kriegshammer@frauenhauskoordinierung.de
Fon   +49 159-063 634 28
Fax   +49 30-3384342-19

------------------------------------
Vorsitzende: Stefanie Leich
Steuernummer: 27/653/53233
Finanzamt Berlin
Registernummer: VR 30318 B
Amtsgericht Berlin-Charlottenburg
------------------------------------

Datenschutz: Wir nehmen den Schutz Ihrer persönlichen Daten sehr ernst und behandeln Ihre personenbezogenen Daten vertraulich und entsprechend der gesetzlichen Datenschutzvorschriften sowie unserer Datenschutzerklärung.

Wenn Sie diesen Info-Service nicht mehr erhalten möchten, wenden Sie sich bitte an infoservice@frauenhauskoordinierung.de.