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Interdisziplinärer Online-Kurs: Schutz und Hilfe bei häuslicher Gewalt

Kostenlos können sich Fachkräfte aus dem Arbeitsfeld Häusliche Gewalt und angrenzenden Bereichen ab Juli 2020 in einem neu entwickelten E-Learning-Programm fortbilden. Die Anmeldung ist bereits jetzt möglich.

E-Learning-Programm

Hohe Arbeitsbelastung und begrenzte Zeit- und Finanzressourcen: Für Fachkräfte im Feld ist es häufig schwierig, längere Fortbildungsangebote in Anspruch zu nehmen. Ein neu entwickeltes E-Learning-Programm soll nun flexible und selbstbestimmte Weiterbildung rund um das Thema „Schutz und Hilfe bei häuslicher Gewalt“ samt Zertifikatsabschluss ermöglichen. In engem Austausch mit Fachpraxis, Verbänden und Poltik wurde der Online-Kurs durch Wissenschaftler_innen mit langjähriger Erfahrung im Feld entwickelt. Eine erste – kostenfreie – Testphase beginnt im Juli 2020 und soll insbesondere für Rückmeldungen aus der Praxis genutzt werden.

An wen richtet sich das Programm?

Der interdisziplinäre Online-Kurs will die gesamte Interventions- und Versorgungskette in den Blick nehmen. Er adressiert daher neben spezialisierten Einrichtungen wie Frauenhäusern, Zufluchtswohnungen, Interventionsstellen oder Fachberatungsstellen auch deren Kooperations- und Netzwerkpartner_innen in der Kinder- und Jugendhilfe (von Jugendämtern über Familienhilfe bis zu Familienrichter_innen), Polizei, Staatsanwaltschaft, Ärzt_innen, Therapeut_innen sowie Fachkräfte der Täterarbeit. Laut den Entwickler_innen richtet sich das Fortbildungsprogramm an:

  • Fachkräfte, die sich in das Thema Gewalt in Paarbeziehungen einarbeiten und die Zusammenhänge verstehen wollen. 
  • Fachkräfte, die sich gezielt zu einem Teilbereich des breiten Themenspektrums fortbilden wollen, z.B. aus dem Bereich des Kinderschutzes oder dem Gesundheitswesen, und die für andere Teilbereiche bereits Qualifikation und Erfahrung mitbringen. 
  • Fachkräfte, die neben einer einschlägigen Qualifikation reichhaltige Erfahrung in ihrer jeweiligen Praxis haben, die sich aber eine Auffrischung und Erweiterung wünschen.
  • Fachkräfte, die selbst in der Fortbildung tätig sind, neue Erkenntnisse suchen und sich auf den aktuellen Stand bringen und unsere Inhalte für ihre Arbeit nutzen wollen.

Inhalte

In den vergangenen zwei Jahrzehnten konnte die Forschung maßgebliche Erkenntnisse zu verschiedenen Aspekten von Gewalt im sozialen Nahraum gewinnen, die nicht immer unmittelbar und in vollem Umfang in die Arbeit der Fachpraxis eingebracht werden konnten. Auch auf rechtlicher Ebene wurden zahlreiche Veränderungen erwirkt. Zusätzlich hat auch die Fachpraxis signifikante Entwicklungen durchlaufen und ist insbesondere im regionalen Vergleich sehr vielfältig aufgestellt. Zu den Themen, die im Rahmen des Kurses nach aktuellem Forschungsstand aufbereitet werden, gehören daher unter anderem:

  • die Dynamik von Gewaltverhältnissen,
  • traumatische Prozesse und Bewältigungsstrategien, 
  • die Situation mitbetroffener Töchter und Söhne,
  • die Motivation gewalttätiger Partner,
  • Multiproblemlagen (Zusammenhang von häuslicher Gewalt mit Flucht, Migration, Armut, Suchtproblematiken und psychischen Erkrankungen),
  • rechtliche Veränderungen und
  • innovative Konzepte aus der Praxis.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt zudem auf der systematischen Verknüpfung mit dem Bereich Kinderschutz.

 

Warum ein Online-Kurs?

Neben zeitlicher Flexibilität und der Kostenersparnis für Teilnehmende bieten E-Learning-Angebote einen weiteren Vorteil: Online-Kurse ermöglichen eine unkomplizierte Aktualisierung und Ergänzung von Lerninhalten. Veränderungen, z.B. durch den Gesetzgeber, können unproblematisch und schnell in das Programm eingearbeitet werden. 

Bei der Entwicklung des Online-Kurses wurde insbesondere auf die langjährigen und positiven Erfahrungen bei E-learning im Bereich Kinderschutz zurückgegriffen.

Ziel unseres Fortbildungsangebotes ist, die Erfahrungen aus 40 Jahren Arbeit gegen häusliche Gewalt aus unterschiedlichen Perspektiven zu bündeln und in einem State-of-the-Art-Kurs weiterzugeben, der in seiner Ausführlichkeit, Tiefe und Praktikabilität Präsenzfortbildungen deutlich übertrifft. Die Zufriedenheit von Teilnehmenden mit den bisherigen Kursen der Universitätsklinik Ulm und den zur Verfügung gestellten Materialien war generell hoch. 

 

Gratis-Teilnahme für erste Teilnehmende

Der interdisziplinär konzipierte Kurs kann mit einem Zertifikat abgeschlossen werden. 

Um das Lehrangebot genau auf die Bedarfe der verschiedenen Praxisfelder anzupassen, wird von den Teilnehmer_innen des ersten Kursdurchlaufs Rückmeldung zu Lerninhalten und individuellen Lernerfahrungen erwartet. Im Gegenzug ist die Teilnahme in dieser Pilotphase, die im Juli 2020 beginnen soll, kostenlos. 

Die Anmeldung ist bereits jetzt über den folgenden Link möglich: https://haeuslichegewalt.elearning-gewaltschutz.de/.

 


Das E-Learning-Programm „Schutz und Hilfe bei häuslicher Gewalt“ wurde entwickelt durch

  • Sozialwissenschaftliches Forschungsinstitut zu Geschlechterfragen Freiburg SoFFI F./FIVE:  Prof. Dr. Barbara Kavemann und Prof. em. Dr. Cornelia Helfferich unterstützt durch Bianca Grafe M.A. und Ksenia Meshkova M.A. Das Team von SoFFI F. bringt umfangreiche, jahrelange Erfahrung in der Forschung und Praxisbegleitung im Feld der Arbeit gegen Gewalt in Paarbeziehungen und sexuelle Gewalt ein. 
  • SOCLES - International Centre for Socio-Legal Studies, Heidelberg:  Dr. Thomas Meysen, unterstützt durch Elisabeth Oygen und Lydia Schönecker. Schwerpunkte werden sein: die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Schutzaufträge, Kooperationsbezüge und ethische Fragestellungen. 
  • Universitätsklinikum Ulm, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie:  Prof. Dr. Jörg M. Fegert, Prof. Dr. Ute Ziegenhain, unterstützt durch Ruth Himmel und Lina Hermeling, und Dr. Ulrike Hoffmann, unterstützt durch Anna Maier, sowie Prof. Dr. Andreas Jud. Das Ulmer Team verbindet zwei Schwerpunkte: Die Forschung zu Kinderschutz und Frühen Hilfen sowie die Erfahrung und Kompetenz im Erstellen von E-Learning-Programmen für Angehörige helfender Berufe.