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Doppelter Ausnahmezustand: Gewaltschutz in Zeiten der Corona-Krise

Was bedeuten Ausgangsbeschränkungen für gewaltbetroffene oder von Gewalt bedrohte Frauen? Wie arbeiten Frauenhäuser in Zeiten der Pandemie? Wie können Personen aus der Nachbarschaft eingreifen? Zu diesen Fragen sprach FHK-Geschäftsführerin Heike Herold mit Tagesschau und rbb Kultur (Zeitpunkte).

Lange Zeit gemeinsam auf engem Raum, Ängste um Gesundheit und Existenzsicherung und das Fehlen von Ausweichmöglichkeiten oder Sozialkontakten: Ausgangsbeschränkungen und Isolationsmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie führen zu einer Ausnahmesituation im Zusammenleben vieler Familien:

„Diese abgeschnittene Situation mit einem eventuellen Ausgehverbot führt auf jeden Fall zu zusätzlichen Belastungen und es fallen soziale Kontakte, die die Frauen unterstützen könnten, um mit schwierigen Situationen fertig zu werden, weg. Es fehlt die soziale Kontrolle und die Belastungen mit Kindern zu Hause, Home Office, Existenzängsten etc. sind hoch. Da ist es relativ wahrscheinlich, dass es in belasteten Sitautionen zu Gewalt kommt,“

erklärt FHK-Geschäftsführerin im Gespräch mit der Sendung Zeitpunkte auf rbb Kultur.

Gewaltschutz in Zeiten der Krise?

Schon jetzt verzeichnen Hilfsorganisationen in China und Spanien einen deutlichen Anstieg von Fällen Häuslicher Gewalt seit Beginn der Quarantäne-Maßnahmen. Ähnliche Entwicklungen liegen auch in der Bundesrepublik nahe.

„Wenn das dann auf ein System von Schutzeinrichtungen trifft, die nicht genug Kapazitäten haben, wird das hochproblematisch“, beschreibt FHK die Problematik auf rbb. Denn zu den bereits bestehenden Lücken im Hilfesystem - so fehlen beispielsweise über 14.000 Frauenhausplätze in Deutschland, wie Frauenhauskoordinierung wiederholt hingewiesen hat -, treten nun zusätzliche Engpässe durch räumliche Auflagen, Infektionen und Verdachtsfälle.

„Es braucht schnelle und kreative Lösungen, etwa um alternative Schutzunterkünfte und eine entsprechende Beratung der Frauen zu sichern oder polizeiliche Maßnahmen zum Schutz der Frauen in ihren Wohnungen zu ergreifen. Schutz von Frauen und ihren Kindern vor Gewalt darf auch in Zeiten der Corona-Krise nicht hinten runter fallen“,

so Heike Herold im Interview mit der Tagesschau.